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„Wir werden über einen Kamm geschoren“


Die beiden Landwirte Alois Wenninger (l.) und Günther Striedl deuten auf eine Karte, auf der der Grundwasserkörper Vilshofen eingezeichnet ist. Wenninger zeigt auf die Messstelle in Waltersdorf bei Hengersberg. Weil dort der Nitratwert zu hoch ist, muss Bauer Striedl auf seinem 20 Kilometer entfernten Acker bei der Düngung darauf reagieren. −Foto: Rücker

 

Hofkirchen

„Es geht um Gerechtigkeit“, sagt Günther Striedl, während sein Berufskollege Alois Wenninger eine Karte entrollt. Sie pinnen sie gemeinsam an die Wand der Maschinenhalle. Die Karte zeigt die Region zwischen Hengersberg und Vilshofen. So weit erstreckt sich der Grundwasserkörper. Der spielt für die Bauern bei der Düngung ihrer Felder eine unglückliche Rolle.

In Deutschland kämpft man seit Jahrzehnten mit zu hohen Nitratwerten beim Trinkwasser. Die EU ermahnte Deutschland wiederholt, etwas dagegen zu unternehmen, weil nicht ausgeschlossen ist, dass eine langfristige Aufnahme von größeren Mengen an Nitrat gesundheitlich problematisch ist. Es wird mit der Entstehung von Magenkrebs in Verbindung gebracht.

Die Düngung von Pflanzen für ein besseres Wachstum ist mit ein Grund für die Nitratwerte im Grundwasser. „Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, sagt Bauer Wenninger. Er ist 2. Bürgermeister von Hofkirchen und weiß daher, dass Politik handeln muss. „Aber hier gibt es Schwachstellen. Einen Fehler im System“, stellt er fest.

Alle vier Jahre wird festgelegt, wie umfangreich die Bauern auf ihren Feldern düngen dürfen. Zum Jahreswechsel ist eine neue Periode angelaufen. Wo die Nitratwerte zu hoch sind, hat das Folgen für die Landwirte. „Wie bei allen anderen, ist das auch bei mir der Fall“, sagte Günther Striedl in Oberloh bei Zeitlarn. Von der errechneten Menge, die seine Pflanzen an Dünger brauchen, um optimal zu wachsen, darf er jetzt nur noch 80 Prozent aufwenden. Wie Striedl ergeht es den meisten Bauern, weswegen sie sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengetan haben. 90 gehören ihr inzwischen an.

„Das Ungerechte an der Sache ist, dass ich weniger Dünger auftragen kann, weil an der 20 Kilometer entfernten Messstelle ein überhöhter Wert registriert wurde“, schildert Striedl die Situation. Dabei befindet sich ein Teil seiner Felder im Wasserschutzgebiet. Die Stadtwerke messen auch den Nitratgehalt im Wasser, zuletzt waren es 21 mg/l. Der Grenzwert liegt bei 50.

Der Fehler im System: Für den Grundwasserkörper Vilshofen gibt es nur zwei Messstellen, den in Waltersdorf bei Hengersberg und einen in Silling (Gem. Windorf). Die Werte in Silling sind im grünen Bereich, „trotzdem werden wir zum roten Gebiet erklärt“, ist Wenninger empört.

Beim Wasserwirtschaftsamt Deggendorf, das die Daten liefert, weiß man um die Schwachstelle. Hätte man mehr Messstellen (vorgeschrieben wären sechs), könnte man differenzieren. Bundeseinheitlich ist aber geregelt: Gibt es nur wenige Messstellen, erfolgt die Einteilung nicht kleingliedrig. Bauer Striedl: „Wir werden über einen Kamm geschoren.“ Als Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im Herbst in Vilshofen war, versuchten Bauern, ihm das Problem nahezulegen. Aus dem Ministerium heißt es, Aiwanger habe mit Umweltminister Thorsten Glauber über die Schaffung von mehr Messstellen gesprochen. Die Bauern im Raum Vilshofen bringt das aktuell nicht weiter. Die Interessengemeinschaft hat einen Gutachter beauftragt, der nachweisen soll, dass ein Großteil der Flächen unberechtigt als rote Region eingestuft wird. Aiwanger kündigt ab, dass die Zahl der Messstellen in Bayern von augenblicklich 600 auf 1500 erhöht werden sollen. „In den kommenden Jahren“, heißt es. Wenninger und Striedl kontern: „Wir brauchen jetzt Hilfe.“  —Helmuth Rücker

 

Quelle: pluspnp.de   —−−Helmuth Rücker

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