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Initiatoren


Vom Schrotthändler zum Feinkost-König


95 Lkws zählen zur Flotte. Xaver Troiber genießt in der Abendsonne einen Rundgang übers Firmengelände in Hofkirchen. −Fotos: Kuhnt

 

Hofkirchen.

Xaver Troiber – sportlich in Jeans und Daunenjacke – geht durch eine seiner Lagerhallen in Hofkirchen. „Griaß di, Xav“, sagt ein junger Mitarbeiter, als er ihm begegnet. Zwar hat Xaver Troiber, Gründer des gleichnamigen Lebensmittelgroßhandels, die Geschäftsführung vor 20 Jahren an Sohn Günter übergeben. Aber trotzdem ist er mit den 500 Angestellten in Produktion und Handel per Du, wenn er sie trifft. Vor 60 Jahren hat er das Unternehmen gegründet. Heute zählt es in Deutschland zu den größten dieser Branche, beliefert mit 95 Lkws 6500 Kunden.

Heute feiert Xaver Troiber seinen 80. Geburtstag. Sein Haar ist noch immer natürlich braun. Und noch immer wiegt er die 75 Kilo, die er vor 60 Jahren hatte. Kein Wunder: Leidenschaftlich gerne spielt er Golf im Golf-Ressort Bad Griesbach – und das nicht schlecht.

Aber von vorne. Geboren am 7. März 1940 als viertes von fünf Kindern in Grubhof, wächst er auf dem Hof seiner Eltern auf und besucht die Volksschule in Neßlbach. Für eine höhere Ausbildung hat die Familie kein Geld, also fängt er im Alter von 14 Jahren als Landwirtschaftshelfer bei der Familie Hofmann in Schuhreit (Landkreis Deggendorf) zu arbeiten an. Als Dank für seinen Fleiß überlässt ihm der Bauer Hofmann seine Alteisenbestände – und lenkt das Leben seines Helfers in eine Richtung, die niemand erwartet hätte. Am wenigsten der junge Troiber selbst.

Vom Knecht zum Händler

Er verkauft das Alteisen und hat schnell 600 Mark beisammen. „Bauer, ich hör’ auf bei dir“, sagt er zu seinem Chef und investiert den Erlös – zusammen mit einem Kredit, für den sein Vater bürgt – in einen Kleintransporter. Von nun an sammelt der gerade 18-Jährige im Umkreis Alteisen ein, das er gewinnbringend wieder verkauft. Dabei bleibt es nicht. „Lumpen, Knochen, Eisen und Papier, alles kaufen wir“, lautet bald sein Motto. Immer weiter kommt Troiber bei seinen Fahrten herum, eines Tages bis ins Rottal.

Altes Eisen, saure Gurken

In Rossbach holt er die gebrauchten Dosen der Firma Wasmeier & Stadler ab, die Mitte der 50er Jahre als erstes Unternehmen Gurken einlegt. Bald wird Xaver Troiber gefragt, ob er neben den leeren Dosen auch ein paar volle zum Verkauf mitnehmen kann. So kommt es. Einer seiner ersten Gurken-Abnehmer ist die Metzgerei Wagner in Eging, zu der auch ein Gasthof gehört. Dort werden täglich für viele Urlauber Brotzeiten hergerichtet. Xaver Troiber sieht Potenzial und verlagert sich vom Alteisen auf eingelegte Gurken.

Die Sauerkraut-Fabrik

Später erweitert er – den Kundenwünschen entsprechend – sein Sortiment um Senf, Zucker, Salz und frisches Sauerkraut vom Fass, das Troiber selbst herstellt. Mit einem ersten Mitarbeiter gründet er 1960 seine „Sauerkraut-Fabrik“. Zwei Jahre zuvor lernt Xaver Troiber Thea Sager kennen, die ihm in Büro und Produktion hilft. 1962 heiraten sie, im selben Jahr kommt Sohn Franz Xaver zur Welt, 1964 wird Günter geboren.

Ebenfalls 1964 gerät Firmenchef Xaver Troiber in einen Verkehrsunfall, bricht sich den Oberschenkelhals – und ist gezwungen, vier Monate im Krankenhaus zu verbringen. Die Bestellungen gehen zurück, Thea Troiber und ihr Schwager schaffen es gerade so, diese schwierige Zeit zu überbrücken. Erst als Xaver Troiber wieder selbst die Ware ausfährt, geht es wieder bergauf. Geschickt motiviert er die Wirte und Kaufleute im Umkreis dazu, immer größere Mengen bei ihm zu bestellen – und diese wiederum an ihre Kunden zu verkaufen. Die Geschäfte laufen. Xaver Troiber stellt Fahrer ein, schafft einen Lkw nach dem anderen an.

Der Standort Hofkirchen

1960 gründen die Troibers den Standort in Hofkirchen, bauen neben einem Wohnhaus eine erste Lagerhalle und stellen auf einen Schlag fünf Mitarbeiter in. 1967 kommt Tochter Beate zur Welt. In der Familie geht alles Hand in Hand. Während Xaver Troiber täglich hinausfährt, um Ware auszuliefern und neue Bestellungen aufzunehmen, nimmt Thea Troiber die Ware von Lieferanten an, schreibt Rechnungen und ist bei den Kindern. Für die kocht allerdings auch Xaver Troiber gern. Immer am Puls der Zeit, richtet er in der Garage eine Produktionsstätte für Rollmops und Fischmarinaden ein, erweitert laufend das Sortiment. Bald macht die Firma eine Million Mark Umsatz pro Jahr. Immer mehr Grundstücke kaufen die Troibers, um Platz für ihre Produktionsräume und Lager zu haben.

Beitritt zum Service Bund

1982 tritt Troiber dem Service Bund bei, was den Lebensmittelhandel noch mehr prosperieren lässt. In den 80er Jahren erwirbt Troiber, der ja ein „Ungelernter“ ist, die Befugnis, Lehrlinge auszubilden. Bis heute haben dort rund 300 Lehrlinge ihre Ausbildung gemacht. Viele davon arbeiten noch immer dort.

Nicht zu bremsen

Nebenbei spielt Xaver Troiber aktiv Fußball, Tennis und Tischtennis, ist bei den Schützen und Stockschützen. „Ich weiß nicht, wie ich das alles geschafft hab“, sagt Troiber heute verwundert. „Ich wollte ihn manchmal bremsen, aber er hat sich nicht bremsen lassen“, erzählt seine Frau Thea (78).

1983 erweitert Troiber sein Sortiment um Tiefkühlkost, 1984 baut er ein erstes großes Kühlhaus. In diesem Jahr beginnt auch Sohn Günter seine Tätigkeit im Unternehmen, ab 1989 steigt Tochter Beate ein. 1992 nimmt die Firma frisches Obst und Gemüse in den Handel mit auf, 1994 kommt Frischfisch dazu. Im gleichen Jahr führt Troiber die Bestellaufnahme über moderne Notepads ein. 1997 gründete er die Troiber Feinkost GmbH für die hauseigene Salatproduktion. Die Rezepte entwickelt Troiber selbst. Zutaten für seine Feinkost-Kreationen bezieht er aus der ganzen Welt. Auch Weine gehören zum Sortiment. Ende der 90er Jahre beginnt die Firma, neben Gaststätten, Hotels, Krankenhäusern und Seniorenheimen auch Flusskreuzfahrtschiffe zu beliefern. Im Jahr 2000 steigt sie erfolgreich in die Großküchenplanung ein.

Sohn Günter macht weiter

2000 übergibt Xaver Troiber die Geschäftsführung an seinen Sohn Günter. Dieser entwickelt das Unternehmen dynamisch weiter – mit dem C & C Abholmarkt in Hofkirchen (2001), der ersten Bio-Zertifizierung (2006), neuen Gebäuden (2007, 2008), papierloser Kommissionierung und der Zertifizierung nach dem Internationalen Food Standard (IFS, 2012).

1000 Nummern im Kopf

Xaver Troiber war einer der Ersten in ganz Niederbayern, der ein Autotelefon besaß, um stets für seine Kunden erreichbar zu sein. 1000 Namen und Nummern habe er auswendig gewusst, erzählt Troiber, „das geht, wenn man alles selbst aufbaut“. Mit der Aufbauarbeit und den Neubauten verbunden sind Kredite in Millionenhöhe. „Wir hatten die ganze Zeit über Schulden, wurden aber immer gut beraten“, berichtet Troiber. Die ersten 35 Jahre habe er keinen Urlaub gemacht.

Heute zähle das Unternehmen zu den größten Arbeitgebern der Region. 2009 wurde Troiber in München mit dem Mittelstandspreis Bayern ausgezeichnet. 2010 erlebt die Familie einen Tiefpunkt: Im Alter von 47 Jahren stirbt der älteste Sohn Franz Xaver an den Folgen eines Schädelbasisbruchs, den er auf dem Oktoberfest in München erlitt.

Schnell unterwegs

Ausgleich findet Xaver Troiber seit jeher im Sport. Bis er sich beim Fußballspielen das Jochbein bricht. Thea Troiber fährt ihren bewusstlosen Mann ins Krankenhaus, danach wird er zehn Tage in Nürnberg behandelt. Kaum ist er wieder zuhause, will er schon wieder Kraut schneiden. „Keiner hätte mich bremsen können“, sagt Troiber, der ab 1992 auch 2. Bürgermeister in Hofkirchen ist. „Ich habe immer wieder Kritik an der Gemeindepolitik geübt. Irgendwann haben sie gesagt, ,du redest dich leicht‘. Also hab ich mich für die ÜW zur Wahl gestellt“, erzählt er.

Weil Xaver Troiber nicht mehr Fußballspielen kann, nimmt ein Freund ihn im Jahr 2000 zum Golfen nach Bad Griesbach mit. Troiber fängt Feuer und bringt neben Stockschützenturnieren und Bürgermeisteramt auch dieses Hobby in seiner Woche unter. Von einem Termin zum nächsten ist er mit seinem BMW nicht nur einmal zu schnell dran. „Zweimal haben sie mir den Führerschein gezwickt“, bekennt Troiber.

Nach zwölf Jahren als 2. Bürgermeister kandidiert er 2002 nicht mehr für den Gemeinderat, konzentriert sich noch mehr aufs Golfspielen. „Dass du den Ball da hinbringst, wo er hinsoll, ist wie eine Sucht“, erklärt Xaver Troiber. Das Arbeitsleben hatte er hinter sich, da habe er im Golf die Nummer Eins werden müssen. Seine Stärke sei das kurze Spiel zwischen 80 und 100 Metern. Unter den 70- bis 85-Jährigen will er vorne mit dabei sein.

Schwimmen mit Flocki

Im Sommer trainiert er mit den Freunden im Golf Ressort Bad Griesbach, im Winter in den wärmeren Ländern, wohin ihn seine Frau Thea begleitet. „Ich gehe barfuß die zehn Kilometer von Loch zu Loch mit und bade gerne im Meer“, erzählt sie. 2022 werden die beiden 60 Jahre verheiratet sein. Thea Troibers Rezept für eine lange Ehe: „Ein jeder muss ein bisschen nachgeben. Ich habe immer mehr nachgegeben. Aber am Sonntag muss er daheim bleiben. Sonst habe ich ja gar nichts von ihm.“ Daheim in Hofkirchen zu bleiben heißt für Xaver Troiber aber auch, seinen Enkeln beim Fußball zuzuschauen und mit seinem Golden Retriever Gassi zu gehen. Im Sommer will er mit „Flocki“ wieder in die Donau springen und eine halbe Stunde gegen die Strömung schwimmen.

Seine Leidenschaft bleibt das Golfspielen: „Es wäre ein Traum, wenn ich mit 100 den Ball noch raushauen kann.“  –Simone Kuhnt

Mehrmals die Woche spielt Xaver Troiber Golf in Bad Griesbach. Seine Frau Thea, mit der er bald 60 Jahre verheiratet ist, steht hinter ihm.
Mehrmals die Woche spielt Xaver Troiber Golf in Bad Griesbach. Seine Frau Thea, mit der er bald 60 Jahre verheiratet ist, steht hinter ihm.

 

 

Quelle: plus.pnp.de   —Simone Kuhnt
Mehr im Vilshofener Anzeiger vom 07.03.2020 oder unter PNP Plus nach einer kurzen Registrierung

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