Vom Autogrammjäger zum Rennstall-Besitzer: Die kuriose Motorsportkarriere von Christoph Huber
Vom Autogrammjäger zum Rennstall-Besitzer von Proton Huber Competition in Hofkirchen (Landkreis Passau): Der Freinberger Christoph Huber hat eine kuriose Motorsportkarriere hinter sich.
Erst die gesundheitlich-bedingte Auszeit, dann der tragische Tod von Gerhard Freundorfer, einem langjährigen Weggefährten und engen Freund – das hat emotional tiefe Spuren bei Teamchef Christoph Huber aus Hofkirchen (Landkreis Passau) hinterlassen. Längst ist dieses Trauma nicht aufgearbeitet – für ihn selbst, für die Piloten, für die Mannschaft – und wird es wahrscheinlich nie sein.
Jedoch gelang im vergangenen Jahr auf den Rennpisten eine starke Performance – drei Titel im Porsche Carrera-Cup, ein Titel im Porsche-Cup Suisse, ein Titel in der Porsche Sprint-Challenge Southern Europe und Rang zwei bei den 24 Stunden Dubai. Immerhin. „Es war wichtig zu zeigen: Wir sind zurück“, erklärt der Team-Chef. Er hat dabei „step by step“ den Fokus wieder gefunden, den er während der schlimmen Krise aus den Augen verloren hatte. Das, was ihn, den Motorsport-Verrückten, inspiriert und antreibt – in den verschiedenen Serien erfolgreich zu sein und seine Visionen umzusetzen. Eine ist es, beim 24 Stunden-Rennen im Le Mans zu starten.
Wir müssen uns die Teilnahme verdienen“
„Es wird ein harter und steiniger Weg, aber wir wollen ihn gehen“, verdeutlicht Christoph Huber seine Ambitionen, „und das, obwohl wir keine Mannschaft stellen, hinter der ein riesiger Konzern steht, sondern ein Privatteam ohne Werksunterstützung sind. Wir müssen uns die Teilnahme über Erfolge und das Prädikat des Rennstalls verdienen“. Im Motorsport geht es zwar sehr schnell, aber erst in zwei, drei Jahren, ist ein realistisches Szenario.
Proton Huber Competition startet quasi als Vorstufe für das berühmt-berüchtigte Event beim Michelin-Le Mans-Cup, der europäischen Langstrecken-Meisterschaft. „Wir werden uns an sechs Wochenenden messen und ich bin gespannt, wie sich unsere Amazonen in der Männer-Domäne behaupten“, so Christoph Huber, „ich möchte nicht über Ergebnisse spekulieren und keinen Blick in die Glaskugel werfen, aber beide Damen können schnell fahren. Ich bin zuversichtlich“.
Der Rennstall aus Hofkirchen wird in Kooperation mit „Iron Dames“ antreten, 2018 von Deborah Mayer gegründet. Ein Projekt, das Frauen unterstützt, gleichberechtigt zu Männern im Motorsport in Konkurrenz zu treten.
Tochter von Jacky Ickx geht an den Start
Gesteuert wird der Porsche 911 GT3 R von der jungen Spanierin Marta Garcia, die 2023 die erste Meisterin in der F1-Academy wurde, eine Serie, in der ausschließlich Frauen an den Start gehen. Und von Vanina Ickx, die in ihrer langen Rennkarriere als Audi-Werksfahrerin in der DTM antrat und jetzt unerwartet ihr Comeback auf der Rennstrecke feiert. Sie ist die Tochter der belgischen Rennsport-Legende Jacky Ickx, der sechs Erfolge beim 24 Stunden-Rennen von Le Mans feierte, die Langstrecken-Weltmeisterschaft zweimal gewann und zwei Vize-Titel in der Formel 1 holte.
Ebenfalls als Le Mans-Vorbereitung dient die 24 Stunden-Serie. „Wir sind hier sehr gut positioniert und haben bereits überzeugende Resultate erzielt“, nimmt der Teamchef diese Herausforderung ebenfalls selbstbewusst und optimistisch in Angriff. Doch nicht nur auf diesen beiden Hochzeiten tanzt Proton Huber Competition, sondern noch auf weiteren.
„Wollen erneut um die Meisterschaft mitfahren“
„Viele sind gekommen, viele gegangen, wir sind geblieben. Wir sind das älteste Team und das erfolgreichste – drei Meisterschaften mit dem Team, drei Fahrer-Titel, dreimal Rookie, die meisten Siege“, sagt Teamchef Christoph Huber stolz, „der Porsche Carrera-Cup, den es seit über 30 Jahren gibt, ist unser Zuhause, auch in der Zukunft und wir wollen heuer erneut um die Meisterschaft mitfahren“. Mit diesem Anspruch tritt der Rennstall im Porsche Super-Cup ebenfalls an : „Wir versuchen immer etwas zu reißen.“
Nach wie vor ist die Gier nach Erfolgen bei Christoph Huber da. Dabei hatte alles mit einer anderen Leidenschaft begonnen – mit dem Autogramme sammeln von Rennfahrern, die Formel 1 übte große Faszination auf den kleinen Jungen aus. Aber ein eigenes Rennteam? „Nein, nein. Das habe ich mir nicht vorstellen können. Das ist erst nach und nach gereift“, erzählt der Teamchef.
Der gebürtige Österreicher (Freinberg) hat Glück. Er lernt nach seiner Ausbildung Rennfahrer Herbert Drexler kennen und wird Assistent der Geschäftsführung in dessen Motorsport GmbH, die Eintrittskarte in die Motorsportwelt. Und er wird später die „rechte Hand“ von Motorsport-Legende Walter Lechner, der ihm schließlich die Starthilfe gibt, um sich den Traum vom eigenen Rennstall zu erfüllen.
Der Freinberger saß selbst nie am Steuer eines solchen Boliden
„Da steckt ein Mega-Aufwand dahinter, ab April bin ich bis Herbst jedes Wochenende unterwegs – das hat dann nichts mehr mit einem Hobby zu tun. Viel Stress, viel Druck – und das Geld spielte eine große Rolle. Ich habe bereits einen kräftigen Schuss vor den Bug bekommen und gelernt, dass es keine finanziellen Experimente geben darf. Und Geduld wichtig ist und alles Zeit braucht“, so Christoph Huber.
Fast ein wenig paradox: Er saß nie hinter dem Steuer eines Boliden, war nie ein Techniker und mag das Autofahren überhaupt nicht gerne – und ist doch ein Macher im Motorsport geworden. Immer aktiv und umtriebig. Mit Visionen für die Zukunft.
Serien, Termine
Porsche Carrera-Cup
17. – 20. April Imola; 8./9. Mai Spa; 6. bis 8. Juni Zandvoort; 4. bis 6. Juli Norisring; 8. bis 10. August Nürburgring; 22. bis 24. August Sachsenring; 12. bis 14. September Spielberg; 3. bis 5. Oktober Hockenheim.
Porsche Super-Cup
16. bis 18. Mai Imola; 23. bis 25. Mai Monte-Carlo; 30. Mai bis 1. Juni Barcelona; 27. bis 29. Juni Spielberg; 25. bis 27. Juli Spa; 1. bis 3. August Budapest; 29. bis 31. August Zandvoort; 5. bis 7. September Monza.
Michelin Le Mans-Cup4./5. April Barcelona; 2./3. Mai Le Castellet; 10. bis 12. Juni Le Mans; 22./23. August Spa; 12./13. September Silverstone; 17./18. Oktober Portimao.
Creventic/24-Stunden-Series
21. bis 23. März 12 h Mugello; 18. bis 20. April 12 h Spa; 23./24. Mai 12 h Misano; 4./5. Juli 12 h Le Castellet; 26. bis 28. September 24 h Barcelona.

Hier in Hofkirchen ist Proton Huber Competition zu Hause und bereitet sich für die kommende Rennsport-Saison vor. − Foto: Hausladen
Quelle: pnp.de —Michael Hausladen
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