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„Ich bin eher besonnen und sachlich“


Bürgermeister Josef Kufner im neuen Sitzungssaal zwischen dem Gemeindewappen und dem Kreuz. Hier hat er schon mehrere Abgeordnete getroffen und sie über die Situation Hofkirchens informiert. „Gute Kontakte schaden nie“, meint der 39-Jährige. −Foto: Rücker

 

 

Das neue Dienst- zimmer ist noch nicht fertig, das bestellte Auto noch nicht da,
vor dem Rathaus ist Baustelle, aber Hofkirchens neuer Bürgermeister Josef Kufner lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Nach 100 Tagen im Amt wird Bilanz gezogen. Kufner ist zufrieden.
Er glaubt, schon einiges erreicht zu haben. Und er weiß, was er als nächstes anpacken will.

100 Tage im Amt. Wie geht’s?
Gut soweit. Es läuft. Diese Aufgabe ist genau mein’s.

Haben Sie sich den Job so vorgestellt?
Bürgermeister zu sein, heißt nahe am Bürger zu sein. Das ging relativ flott los. Bürger kamen auf mich zu und regten an, doch das äußere Erscheinungsbild der Gemeinde besser zu pflegen. Das heißt: Das hohe Gras mähen, Blumen pflanzen, Sitzgelegenheiten schaffen, die Kinderspielplätze in Ordnung halten. Und in Garham den Gestank abstellen.

Womit haben Sie in diesem Job nicht gerechnet?
Mich hat nichts überrascht. Ich bin mit einer sehr reellen Vorstellung in dieses Amt gegangen.

Trotzdem: Wie ist es, „plötzlich“ Bürgermeister zu sein?
Ich habe schon gespürt, dass die Menschen Respekt vor dem Amt des Bürgermeisters haben. Leute, die ich jahrelang kenne, fragten auf einmal: Kann ich noch Du sagen oder muss ich dich mit Herr Bürgermeister ansprechen? Ich war vorher der Josef und bin nach wie vor der Josef. Ich habe nur den Beruf gewechselt.

Werden Sie nicht automatisch mit Herr Bürgermeister angesprochen?
Doch schon. Das ist ein wenig ungewohnt. Das ist eine Form der Ansprache, die ich nicht gewohnt bin, weil das so von einem Tag auf den anderen ging. Ich brauche wohl noch eine Weile, um mich an diese Ansprache zu gewöhnen.

Wie läuft’s mit Ihren Stellvertretern, die Sie sich ja ausgesucht haben?
Ich habe eine Empfehlung abgegeben und sie wurden mehrheitlich vom Gemeinderat gewählt. Nach 100 Tagen kann ich sagen: Die Zusammenarbeit ist sehr, sehr gut. Ich bin froh, die beiden immer nach ihren Erfahrungen und ihren Rat fragen zu können.

Und wie klappt es mit der Verwaltung?
Die Aufnahme am 4. Mai war sehr herzlich. Ich habe mich bemüht, alle Sachgebiete kennenzulernen. Ich war beim Kämmerer, im Bauamt, im Einwohnermeldeamt und in der Kasse. So weiß ich, welche Aufgabe jeder hat. Mit neun Mitarbeitern sind wir eine kleine Verwaltung, die gut ausgelastet ist. Es gibt viel zu tun, die Mitarbeiter meistern es. Der Bauhof hat neun fest angestellte Leute.

Sie starten unter Corona-Auflagen. Wie kommen Sie mit den Bürgern in Kontakt?
Ich telefoniere viel. Und dann werde ich natürlich angesprochen, wenn ich unterwegs bin. Dann heißt es: „Weil ich dich grad seh‘: Ich hätte da was.“

Sie sind mit Beginn Ihrer Amtszeit in der Gemeinde rundum gefahren und haben schöne Ecken in Facebook vorgestellt. Warum das?
Ich wollte den Menschen in Corona-Zeiten bewusst machen und aufzeigen, wie schön es bei uns ist. Wir brauchen nur die Augen aufmachen.

Was sind denn Ihre Lieblingsplätze?
In Hofkirchen gefällt mir der Charme des Marktplatzes mit der Kirche im Mittelpunkt und der Donau in unmittelbarer Nähe. Hier ist das Herz der Gemeinde. In Garham, wo ich ja wohne, bin ich gern bei der Wasserreserve. Bei schönem Wetter reicht der Blick in die Alpen und auf der anderen Seite in den Bayerwald. Garham hat eine traumhafte Lage! In Hilgartsberg fühle ich mich auf dem neu gestalteten Dorfplatz sehr wohl, dann natürlich die rustikale Burg mit dem Blick auf die Donau runter.

Was ist mit Zaundorf?
Zaundorf ist so ein tolles Dorf! Ein Dorf, wie es sein muss. Mit beispielhaftem Zusammenhalt.

Beim Blick nach hinten kommen wir am Leserbrief Ihres Vorgängers Willi Wagenpfeil nicht vorbei, der Ihnen vorwirft, sich mit fremden Federn zu schmücken. Hat Sie das geärgert?
Ich finde es ein bisschen schade, dass er sich nicht freuen kann, dass ich den Faden aufgenommen habe, um das Begonnene zum Ende zu bringen. Stattdessen wurde das Haar in der Suppe gesucht. Statt einen Leserbrief zu schreiben, wäre die Zeit besser investiert in eine gedeihliche Zusammenarbeit zum Wohl der Gemeinde. Ich habe es nicht nötig, mich mit fremden Federn zu schmücken. Mir liegt an einer guten Zusammenarbeit. Ich komme aber auch mit einer oppositionellen Arbeit einer vermeintlichen Gegenseite zurecht.

Hatte es keine Übergabe gegeben?
Doch, doch. Die war sachlich und ordentlich. Wir haben uns an mehreren Abenden getroffen.

Haben Sie sich nun geärgert oder nicht?
Mich regt nichts so schnell auf. Ich bin ein besonnener Typ, dem viel an Sachlichkeit und guter Zusammenarbeit liegt.

Was steht an?
Eine Woche Urlaub! Nach 14 Monaten Wahlkampf und drei Monaten Amtszeit brauche ich eine kurze Auszeit. Ich fahre mit meiner Frau und meinem achtjährigen Sohn auf eine Hütte in den Bergen.

Und danach?
Dann geht es mit neuer Kraft wieder an die Arbeit. Wir wollen an den Gemeindestraßen die Gräben und Durchlässe herrichten, damit es bei der Oberflächenentwässerung keine Probleme gibt. Dann wird der Bienenerlebnisweg fertig gestellt.

Was ist mit der Neuen Mitte?
Bis Herbst werden wir alle Grundstücksverhältnisse geklärt haben. Über die Wintermonate geht es in die Planung. Für die Bevölkerung gibt es Info-Veranstaltungen, damit alle wissen, was vorgesehen ist.

Was ist vorgesehen?
Die Gemeinde will das Zentrum umgestalten und die Grundstücksangelegenheiten bis zum Herbst geklärt haben. Wir freuen uns, dass die Firma Neulinger Bau aus Garham als Investor auftritt und dort Geschäftsflächen für Kleingewerbe, Gastronomie und Wohnungen realisieren will.

Was gibt es für Visionen?
Na ja, Visionen?! Ich möchte, dass unsere Gemeinde in Zukunft modern dasteht. Unsere Heimat soll auch für künftige Generationen lebens- und liebenswert bleiben. Im Tourismus sollten wir uns besser aufstellen. Ortskerne müssen mit Leben erfüllt werden.

Was haben Sie Neues vor?
Die Senioren sind mir ein Anliegen. Sie sollen sich in der Gemeinde wohlfühlen. Dafür müssen wir Angebote schaffen, vom Sozialen bis hin zur Freizeitgestaltung. Und für die Jungen, wenn ich das so sagen darf, möchte ich ein deutlich besseres Internet schaffen.

Waren Sie eigentlich schon auf dem Bürgermeister-Lehrgang?
Die sind ja wegen Corona ausgefallen, jetzt starten sie wieder. Die zeitnahen sind schon alle ausgebucht. Mal sehen. Ich bin froh, dass mir mein bisheriger Beruf sehr hilft: Probleme erkennen und an Lösungen arbeiten. Das ist mein Ding.

Was ist mit Ihrem neuen Arbeitszimmer?
Es befindet sich im Umbau. Nachdem der neue Sitzungssaal fertig ist, wird der alte umgestaltet in Büros.

Sie mussten ja den Dienstwagen Ihres früheren Arbeitsgebers abgeben. Ist der neue schon da?
Nein. Das Auto soll Ende August kommen. Aktuell fahre ich einen Mini.

Was war die größte Freude in den ersten 100 Tagen?
Meine erste Eheschließung. Das war ein sehr schöner Moment.

Der größte Ärger?
Richtig geärgert hat mich bisher nichts.

Wie war’s für die Familie in den ersten 100 Tagen?
Ich freue mich über den Rückhalt und den Zuspruch. Ich finde es schön, wie gern mich mein Onkel berät. Allerdings bin ich schweigsamer geworden zu Hause. Ich plappere nicht aus, was am Tag alles war. Ich trenne klar zwischen Beruf und Familie. Da tun die Spaziergänge mit dem Hund gut. Da habe ich Bewegung und Ruhe.

Gibt’s nichts Lustiges in den 100 Tagen?
Lachen musste ich über einen Vorfall mit meinem Sohn. Der ist acht und geht in die Grundschule. Als sich da ein paar Mitschüler stritten oder rauften – ich weiß es nicht genau –, ging er dazwischen und meinte: Hört’s auf, sonst sage ich es meinem Papa. Der ist Bürgermeister.

Interview HelmuthRücker

 

 

Quelle: pluspnp.de   —HelmuthRücker

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