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Fernwärme-Versorgungsnetz für Garham geplant


Die Skizze zeigt gelb schraffiert das sogenannte alte Dorf von Garham, wo sich in einer früheren Erhebung bereits 62 Interessenten an einer Fernwärme-Versorgung gemeldet haben. Die neuerliche schriftliche Befragung der Haushalte betrifft das grün markierte Gebiet. Die neuere Siedlung im Westen – braun schraffiert – scheidet wegen der überwiegenden Neubauten mit entsprechend modernen Heizungsanlagen aus. – Skizze: Markt Hofkirchen

 

 

Garham

Die Marktgemeinde Hofkirchen möchte herausfinden, wer sich für eine Umstellung seiner veralteten Heizungsanlage auf Fernwärme-Versorgung erwärmen kann. Entsprechende Schreiben gingen an Haushalte im Bereich Garham. „Wir haben im Dezember 2020 ein Thema von vor drei Jahren nochmals aufgegriffen“, erklärt Bürgermeister Josef Kufner. Versorgungsnetze dieser Art gibt es in bereis in Hofkirchen und Zaundorf. Sobald ein ausreichendes Interesse vorliegt, soll die „Arbeit mit Hochdruck“ für das Projekt losgehen.

„Wir sind noch in der Findungsphase“, sagt Kufner. Die Initialzündung ging von einem örtlichen Gewerbebetrieb aus. Es möchte das Projekt realisieren und betreiben – eventuell mit Partnern. Eine erste Umfrage unter Garhamer Hausbesitzern im sogenannten alten Dorf hat ergeben, dass sich viele einen entsprechenden Umstieg auf diese neue Form des Bezugs von Heizenergie von extern vorstellen können. Als zentrale Wärmequelle dafür würde die thermische Verwertung von Hackschnitzeln – also die Nutzung nachwachsender Rohstoffe – in Frage kommen.

Die Ausgangslage sei nahezu ideal, meint Kufner. Viele der nun zusätzlich für eine Anbindung ins Auge gefassten Immobilien sind rund 20 Jahre alt oder älter. Die Heizungen gehören modernisiert oder erneuert. „Es gibt bereits 62 Interessenten“, informiert der Hofkirchener Bürgermeister. Zudem beabsichtigt die Kommune, ihre eigenen Liegenschaften in Garham an das mögliche Fernwärme-Versorgungsnetz anzuschließen. Hinzukommt, dass die Marktgemeinde auch ihr vorhandenes Straßen- und Wegenetz für die Verlegung der Warmwasser-Zuleitungen zur Verfügung stellen würde.

Nach Ansicht von Fachleuten gestaltet sich gerade die Erneuerung von Ölheizungen in absehbarer Zeit als äußerst schwierig angesichts zu erwartender hoher gesetzlicher Hürden beim Klimaschutz. Hinzukommt der steigende CO2-Preis, der gegenwärtig bei rund 25 Euro pro Tonne liegt, das sind sechs bis sieben Cent je Liter Heizöl, wie Bernhard Pex von der Abteilung Festbrennstoffe des Centralen Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerks im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing – kurz als C.A.R.M.E.N. e.V. bezeichnet – vorrechnet. Dieser gemeinnützige Verein, 1992 auf Initiative des Bayerischen Landtags gegründet, koordiniert die Zusammenarbeit zwischen Staat, Wissenschaft, Land- und Forstwirtschaft sowie Unternehmen auf dem Gebiet Nachwachsende Rohstoffe, Erneuerbare Energien und nachhaltige Ressourcen-Nutzung von neutraler Warte aus.

Nach Pex‘ Worten ist für Fernwärme-Projekte eine sehr lukrative und hohe staatliche Förderung durch den Freistaat und den Bund zu erwarten. Die Vorteile für die Hauseigentümer: keine Wartung, keine Reparaturkosten, keine Wärmeverluste innerhalb der eigenen Immobilie und – dank des Verzichts auf Heiz- und Lagerräume für Heizöl – mehr Raum im Keller. Installiert werden müsste nur ein Übergabepunkt für die in Form von warmem Wasser ankommende Fernwärme. „Vorhandene solarthermische Anlagen lassen sich jederzeit mit einbinden“, informiert Energieberater Pex.

In einem Vergleich der Heizkosten durch C.A.R.M.E.N. zwischen der Fern- beziehungsweise Nahwärmeversorgung und einer mit Heizöl betriebenen eigenen Heizanlage schneidet erstgenannte Variante deutlich besser ab. Einen jährlichen Heizölverbrauch von rund 3000 Litern in einem Einfamilienhaus zugrunde gelegt, reduzieren sich die Ausgaben für Wärmeenergie von bisher über 3500 Euro auf etwas mehr als 2500 Euro – die staatliche Förderung bereits berücksichtigt.

Ein Umstieg ist allerdings nur möglich, wenn sich möglichst viele Hausbesitzer dazu entschließen. Nur so lässt sich eine Wirtschaftlichkeit zu erzielen. Aus diesem Grund hat die Marktgemeinde den mittleren Siedlungsabschnitt in Garham – rund 60 Haushalte – in die neuerliche schriftliche Befragung aufgenommen.

Das jüngste Wohngebiet im Westen wurde von der Erkundung ausgespart, weil in den Neubauten jeweils moderne Heizanlagen vorhanden sind und die Notwendigkeit eines Wechsels somit ausscheidet. Kufner richtet einen Appell an die Bürger von Garham, die bislang noch kein Interesse an einer Umstellung ihrer Heizung auf Fernwärme bekundet haben oder bei denen sich eine aktuelle Änderung bei der Heiztechnik ergibt, sich bei der Marktgemeinde Hofkirchen zu melden. Die gesammelten Daten werden dann an den künftigen Erbauer der zentralen Hackschnitzel-Heizanlage und des Versorgungsnetzes bzw. an die neutrale Energieberatung C.A.R.M.E.N. e.V. weitergegeben. „Wir wollen durch den Aufruf Planungssicherheit und eine Netzverdichtung erreichen“, sagt der Bürgermeister.   —Bernhard Brunner

Von den Vorzügen einer Fernwärme-Versorgung überzeugt sind Hofkirchens Bürgermeister Josef Kufner (l.) und Bernhard Pex vom unabhängigen Energieberatungsnetzwerk C.A.R.M.E.N. e.V. . −Foto: Brunner
Von den Vorzügen einer Fernwärme-Versorgung überzeugt sind Hofkirchens Bürgermeister Josef Kufner (l.) und Bernhard Pex vom unabhängigen Energieberatungsnetzwerk C.A.R.M.E.N. e.V. . −Foto: Brunner

Quelle: pluspnp.de   —

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