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Auf der Suche nach den lautlosen Jägern


Ist eine Fledermaus in der Nähe? Konzentriert lauschen Susanne Morgenroth und ihre 15 Begleiter den Geräuschen des Bat-Detektors. −Fotos: Elsberger


Hofkirchen

Fledermäuse sind so laut wie ein Presselufthammer. Trotzdem hören wir sie nicht. Sie orientieren sich mit der Ultraschall-Echoortung. Um die Tiere aufzuspüren, benutzt Fledermaus-Expertin Susanne Morgenroth deshalb einen so genannten Bat-Detektor. Er wandelt ihre hochfrequenten Töne in Laute um, die auch für Menschen hörbar sind.

Seit 30 Jahren forscht Susanne Morgenroth im Auftrag des Naturparks Bayerischer Wald an den Tieren, genauso lange ist sie schon Fledermaus-Expertin im Landkreis Passau: Sie berät, wenn die geschützten Tiere im Garten oder am Haus nisten und hilft bei Umsiedlungen. 20 bekannte Arten gibt es bei uns. Morgenroth gibt ihr Wissen gerne weiter, macht Führungen in die Natur. Dorthin, wo sich Fledermäuse gerne aufhalten: An Gewässern.

Mit 15 Kindern und Erwachsenen steht sie abends am Donau-Altwasser bei Hofkirchen. Mit dem Bat-Detektor will sie für die Teilnehmer der Nachtwanderung die nachtaktiven Wesen aufspüren. Mit dabei sind Anton Schreiegg, Fledermaus-Berater in Vilshofen, und Ralf Braun-Reichert. Der Biologe ist Leiter des „Haus am Strom“, das zusammen mit der Grundschule Hofkirchen diese Wanderung organisiert hat.

„Manche klingen wie Herzklopfen, andere wie das Tropfen eines Wasserhahns und wieder andere wie ein Schnalzen“, erklärt Morgenroth die Geräusche der Tiere. Sind Fledermäuse auf der Jagd, senden sie ständig Ultraschall aus. Am Echo erkennen sie, ob etwas lecker ist.

Es ist 22 Uhr und mittlerweile dunkel. Das Gras in den Auen ist hochgewachsen. Lichtkegel wandern umher. Sebastian (10) stapft neben seinen Vater Christoph Fuchs durchs Gras. Eifrig schaut sich der Bub um. Er will unbedingt mal eine Fledermaus sehen – so wie sein Papa, wenn er abends am Bankerl vorm Haus sitzt. Auch die anderen Kinder suchen tatkräftig mit. „Wir brauchen Adleraugen und viel Geduld“, sagt Morgenroth. Denn in der Dunkelheit sind die Tiere gut getarnt.

Fledermäuse sind die einzigen Säugetier, die aktiv fliegen – und darin sind sie Spezialisten. „Ihr ganzer Körper ist mit einer Flughaut umspannt“, erklärt Morgenroth. Darunter sind viele Muskeln. „Sie haben eine richtige Bodybuilderfigur.“

Immer wieder bleibt die Fledermaus-Expertin stehen und horcht. An diesem Nebenarm fließt das Wasser ruhig dahin, wird teilweise aufgestaut. Auf beiden Uferseiten stehen Bäume, wo die Fledermäuse hin- und herfliegen könnten. „Hört ihr das?“, fragt Morgenroth. Augenblicklich wird es ruhig. Der Bat-Detektor rauscht. Sie erhöht die Frequenz – das Geräusch wird deutlicher. Es klingt wie Vogelgezwitscher. Morgenroth vermutet eine Wasserfledermaus. Normalerweise fliegen sie direkt über der Oberfläche, um Insekten zu fangen. „Hier ist es aber sehr trüb. Sie fliegen bestimmt höher, weil auch die Insekten nicht so nah am Wasser sind“, erklärt sie.

Mit der Taschenlampe sucht die Expertin die Umgebung ab. Morgenroth weiß, dass dieses Jahr kein Leichtes für die Tiere ist. Die Gründe: „Es war sehr kalt im Frühjahr und das Wetter ist instabil.“ Deshalb gebe es zu wenig Insekten und damit zu wenig Nahrung.

„Finden wir die Fledermaus gemeinsam?“, regt sie die Kinder an, mitzusuchen. „Da ist sie!“ Morgenroth zeigt auf eine Fledermaus mit weißem Bauch die blitzartig über das Wasser schießt. Zwei, drei Sekunden dauert das Erlebnis, dann ist sie wieder weg. Tatsächlich: Es war eine Wasserfledermaus. Die „Fledermaus-Jäger“ sind angefixt – sie entdecken noch viele weitere. „Jetzt haben wir schon 17“, sagt Sebastian. Mit seinem Kumpel Oliver Vogl (7) zählt er jede mit.

Weiter geht es zur nächsten Stelle: Ein Teich, dicht umrandet von Bäumen. Morgenroth passt die Frequenz an – hier vermutet sie eher Abendsegler. Aber das Geräusch klingt anders, eher wie ein schnell tropfender Wasserhahn. „Das gibt es doch gar nicht. Das hört sich an wie eine Mückenfledermaus“, sagt Morgenroth. Sie kann es kaum glauben. In Passau und Vilshofen weiß sie von der Art, aber in Hofkirchen sei dies der erste Nachweis. Sie wird ihn in die Datenbank vom Landesamt für Umweltschutz eintragen.

Zufrieden geht die Gruppe zurück: 21 Fledermäuse ergibt am Ende Olivers und Sebastians Zählung. Darunter sogar eine „Neuentdeckung“.

Weil wegen der begrenzten Teilnehmerzahl einigen abgesagt werden musste, hat Morgenroth vor, bald wieder eine Nachtwanderung zu unternehmen. Infos dazu unter www.hausamstrom.de.


Mit ihren Taschenlampen suchen die Kinder im Dunkeln die Wasseroberfläche ab

 

Quelle: pluspnp.de   —−-Katja Elsberger

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